Phnom Penh und Abreise

06.12. bis 18.12.

Phnom Penh sollte nun also der vorerst letzte Abschnitt unserer Reise werden und wir fuhren erneut die Route von Siem Reap in die Hauptstadt, die uns mittlerweile vertrauter vorkam als der Weg zur Arbeit.

In unserem letzten kurzen Eintrag gibt es nicht mehr viel zu berichten. Unser Aufenthalt in Phnom Penh war im Endeffekt ein einziges geduldiges Abwarten auf die nun bevorstehende Rückreise nach Deutschland. Wir standen nun in permanentem Kontakt mit unserer Auslandskrankenversicherung „Envivas“ und mit unserem festen und helfenden Anker in Phnom Penh: Dr. Lucy. Diese verfasste auf unsere Bitte hin einen ausführlichen medizinischen Bericht über den kompletten Krankheitsverlauf, alle Tests sowie alle Diagnosen und Behandlungen von Neeles Drüsenfieber-Erkrankung, welchen wir daraufhin an die Envivas sendeten und auf dieser Grundlage für den 18.10. einen Krankenrücktransport von Kambodscha nach Berlin organisiert bekamen. Bei diesem wurden die Kosten von Neeles Rückreise übernommen und sie wurde während der Rückreise unterstützt (beispielsweise durch einen Rollstuhl-Service am Flughafen).

Ansonsten ist für uns in Phnom Penh nicht mehr viel Nennenswertes passiert. Unser „DE Hotel“ war leider auch nicht wirklich das Gelbe vom Ei und es fühlte sich eher ein wenig nach einer Zelle an, in der man seine Zeit bis zur Freilassung absitzen muss. Unser Zimmer war sehr dunkel und gepaart mit der Gewissheit, dass unsere Reise an diesem Punkt nun definitiv vorerst beendet werden würde, schlug uns die Stimmung teilweise doch sehr stark aufs Gemüt. Mit der „Grab App“ bestellten wir uns immerhin jeden Tag leckeres Essen ins Hotel und neben diversen Spaziergängen von Flynn zu einer Mall, zum 7-Eleven oder zur Wäscherei hatte Neele an den letzten zwei Abenden ausreichend Kraft, um noch einmal gemeinsam etwas von Kambodschas Außenwelt zu erleben und uns von dem Land, welches wir so doll lieb gewonnen hatten, erst einmal zu verabschieden.

Am Ende der Reise haben wir beide uns noch einmal klargemacht, dass man auf manche Dinge im Leben keinen Einfluss hat und sie eben einfach passieren. Niemand von uns hatte Schuld am nun folgenden Reiseabbruch und daher konnte hier auch niemand sauer auf den anderen sein, sondern lediglich auf die stark empfundene Ungerechtigkeit und dass Krankheiten einfach manchmal eine ätzende und nervige Belastungsprobe sein können. Und trotzdem wollten wir das Schöne der Reise für unsere Erinnerung behalten. Denn uns beiden war natürlich auch klar, dass es sich hier trotzdem um sehr kleine Probleme im Vergleich zu anderen Menschen und Schicksalen auf der Welt handelt und dass wir unglaublich dankbar für diese Zeit hier sein können und sollten:

Dass wir diese Reise überhaupt antreten durften, weil wir die Mittel dazu haben und uns das leisten können; dass wir zu Hause so viele Menschen haben (unsere Familien und unsere Freunde), die uns das alles hier ermöglicht haben und uns so sehr bei unserem Vorhaben unterstützt haben; dass wir hier vor Ort immer ein warmes Essen auf dem Teller hatten; dass wir hier unglaublich beeindruckende und auf ewig unvergessliche Dinge sehen und erleben konnten (sei es die Begegnung mit exotischen Tieren, einer völlig anderen und unwahrscheinlich schönen Natur oder faszinierende und weltweit bekannte Orte wie Angkor Wat sehen konnten); dass wir hier noch enger zusammengewachsen sind, sowohl freundschaftlich als auch als Liebespaar; dass wir anders als viele andere Menschen hier vor Ort eine verhältnismäßig gute Behandlung für Neele bekommen haben; dass wir mit der großen Armut in vielen Teilen der Welt (wie eben auch teilweise hier in Kambodscha) nichts zu tun haben; dass wir es uns hier vor Ort so gut gehen lassen und jederzeit das machen konnten, worauf wir in diesem Moment Lust hatten; dass wir beide an der Reise, an der Herausforderung und am Miteinander wachsen konnten; und dass wir das große Privileg haben, dass es sich hierbei vermutlich auch nicht um einen Abbruch der Reise, sondern eher um eine Unterbrechung handelt und wir irgendwann die Möglichkeit haben werden, wieder hier her zu kommen und unsere Süd-Ost-Asien-Reise zu vollenden! Für all das sind wir mehr als dankbar!

Auf Wiedersehen Kambodscha, bis ganz bald hoffentlich! ❤️❤️❤️