Sihanoukville

14.11. bis 18.11.

Da waren wir also… Eine bedenklich unfitte Neele und ein mehr als besorgter Flynn. In einem der wirklich eher unschönen Teile des sonst wunderschönen Kambodschas: In Sihanoukville. Nach einer aufgrund von Neeles körperlichen Zustandes eher anstrengenden Rückfahrt mit dem Speedboot auf das Festland und der direkten Weiterfahrt zu unserer Unterkunft legten wir nur schnell unsere Sachen ab und begaben uns sofort ins in Sihanoukville laut Aussagen einiger Leute vor Ort ins im Verhältnis zu den anderen Einrichtungen beste Krankenhaus der Stadt, die „Sihanoukville International Clinic“. Dort wurden bei Neele dann sämtliche Tests wie ein Blutbild oder ein EKG und erstaunlicherweise auch sofort ein CT-Scan durchgeführt, um ihre Lunge zu überprüfen.

Unsere Klinik in Sihanoukville…
Quelle: https://www.khmertimeskh.com/501338941/hospital-suspended-after-young-mothers-death/ (Bei diesem Artikel wird mehr als deutlich, dass das Krankenhaus nicht das Beste zu sein scheint…)

Die Tests wurden dann auch umgehend ausgewertet und wir wurden schließlich zum sehr freundlichen, wenngleich auch mit limitierten Englisch-Kenntnissen ausgestatteten kambodschanischen Arzt gebeten, welcher uns die Ergebnisse mitteilen wollte. CT: Unauffällig. EKG: Unauffällig. Blutbild: Leicht erhöhte weiße Blutkörperchen. Da unsere Kenntnisse in der Medizin ungefähr denen von Arno Dübel in Ernährungswissenschaften gleichen, nickten wir fraglos als der Arzt uns sagte, dass Neele eine bakterielle Infektion im Hals haben müsse und sie somit eine Behandlung mit Antibiotika brauche. Gesagt, getan. Wir holten uns das Antibiotikum sowie weitere Medikamente und fuhren zurück zu unserem Hotel. Am Abend fielen wir beide dann nach den vielen Strapazen des Tages nur noch ins Bett. Unsere Unterkunft, die „Manoha Villa“, war hierbei mit Abstand das Positivste an unserer Zeit in Sihanoukville. Großes Zimmer. Pool. Und eine wahnsinnig freundliche Hotelmanagerin, die Neele Pancakes mit Nutella backte, Flynn ein paar Drinks servierte und uns jederzeit versuchte zu helfen.

Am darauffolgenden Tag kontaktierten wir mehrere Ärzte im Umfeld unserer Freunde und Verwandten aus Deutschland, um uns weitere Meinungen einzuholen. Alle von ihnen waren beim Einblick der Untersuchungs-Ergebnisse ungefähr genau so schlau wie davor und eher ein wenig irritiert aufgrund einiger fehlender Werte. Nichtsdestotrotz wollten wir uns in den kommenden Tagen darum bemühen, dass Neele die Antibiotika nimmt und abgesehen davon Ruhe und Entspannung bekommt. Flynn gesellte sich mit Ausnahme einiger Spaziergänge zur Sicherstellung der Nahrungszufuhr (hauptsächlich aus frischem Obst und Fried Rice bestehend) die meiste Zeit dazu.

So richtig bessern sollte sich der Zustand von Neele allerdings – anders als erhofft – auch mithilfe der Antibiotika nicht… Im Gegenteil: Ihr Zustand wurde immer schlechter und besorgniserregender. Neben sehr unangenehmen und starken Problemen beim Atmen war ihr dauerhaft schwindelig und ihr Herz raste mehr als Schumacher zu besten Zeiten. Mit der erschwerten Atmung wurde auch das Essen und das Sprechen zu einer größeren Herkulesaufgabe als der Wiederaufstieg des HSV in die Bundesliga. Aber genug der Wortspielereien. Neele ging es wirklich langsam dramatisch schlecht und somit war es an der Zeit, endlich Antworten und Lösungen für ihren Zustand zu bekommen. Daher gingen wir am übernächsten Tag erneut in die Klinik, um ein weiteres Blutbild anfertigen zu lassen. Vorher wurden wir noch Zeuge von einem der doch relativ häufig auftretenden Stromausfälle in Kambodscha. Die ganze Stadt war für eine gute halbe Stunde plötzlich komplett dunkel. So etwas macht dann doch offensichtlich, dass es sich hier immer noch um ein Entwicklungsland handelt.

Da wir beim erneuten Blutbild wieder kein erhellendes Ergebnis erhalten haben und uns insgesamt die doch eher unprofessionelle Art und Weise beziehungsweise die sprachlichen Barrieren in der Kommunikation in der Klinik missfielen, beschlossen wir, dass es einen neuen Ansatz benötigt, um Neele zielführend zu helfen und medizinisch zu unterstützen. Der allgemeine Konsens beim Befragen der Einheimischen schien zu sein, dass man vernünftige Ärzte und Krankenhäuser eigentlich nur in der Hauptstadt Phnom Penh bekommt. Da es Neele einfach nicht besser ging und das Antibiotikum auch nicht wirklich half, buchten wir für den 18.11. eine Busfahrt zurück nach Phnom Penh. Dort wollten wir einerseits das „Royal Hospital“ (das angeblich beste Krankenhaus des Landes) sowie eine auf der Seite des Auswärtigen Amts aufgeführte deutsche Ärztin in Phnom Penh aufsuchen.

Wirklich traurig war der Abschied aus Sihanoukville dabei in keinster Weise. Aus der Stadt abzureisen war leichter als einen Schwarzfahrer in der U8 zu finden. Hässliche Stadt. Übersäht mit Wolkenkratzern. Eine gefühlt deutlich größere Unfreundlichkeit bei den Leuten. Und außerdem etwas, was viele der Einheimischen bemängeln und ihnen auch teilweise Angst macht. Die Chinesen bestimmen fast das komplette Stadtbild von Sihanoukville. Ihr Einfluss in Kambodscha wird generell immer größer, in Sihanoukville war das allerdings mehr als offensichtlich. Jedes zweite Gebäude war mit chinesischen Schriftzeichen geprägt und auch sonst waren viele Chinesen in den Straßen unterwegs. Ihr Vorhaben scheint zu sein, aus dem attraktiven Standort an der kambodschanischen Küste eine Mega-City zu machen und aus dem Tourismus dabei maximalen Profit zu machen. Viele der einheimischen Arbeiter und Händler leiden darunter und fürchten um ihre Existenz. Alles also eher unsympathisch und unschön. Dazu die fehlende medizinische Versorgung. Also: Nix wie weg hier!