Koh Rong

07.11. bis 14.11.

Nach dem sehr kurzen und Hotel-lastigen, allerdings auch überaus erfolgreichen und schönen Aufenthalt in Kambodschas Hauptstadt war dann endlich die Zeit gekommen, auf welche wir uns im Vorfeld der Reise mit am meisten gefreut haben: Das erste Mal Meer. Das erste Mal Strand. Das erste Mal Sand an den Füßen. Das erste Mal baden im türkisblauen Wasser. Kurzum: Der erste Inselaufenthalt stand bevor. Ziel: Koh Rong.

Am Morgen des 07.11. fuhren wir mit einem Minivan, in welchem sich außer uns noch acht andere Mitreisende befanden, Richtung Küste. Im Bus konnten wir leider nicht nebeneinander sitzen, weswegen die Fahrt hauptsächlich mit Musik, Podcasts und Filmen überbrückt werden musste. Die Fahrt führte uns durch teils heftigen Monsun-Regen in rund dreieinhalb Stunden Richtung Süden zur Küstenstadt Sihanoukville, die bei der Einfahrt nicht den allerschönsten Eindruck machte. Die eigentlich perfekte Grundlage für eine schöne Stadt – direkt an der Küste liegend mit riesig langem Strand – wurde durch Unmengen von Hochhäusern und Baukränen leider verunstaltet. Von dort aus ging es mit einem Speed-Boot (die Frau, die uns am Busbahnhof empfing, leitete uns schreiend und wild gestikulierend zur Fähre weiter und hatte anscheinend beim Wort „Speed-Boot“ die Geschwindigkeitsangabe mit der in Berliner Techno-Clubs beliebten Substanz verwechselt) weiter auf die Insel Koh Rong. 45 Minuten dauerte die Fahrt und je näher wir unserem Zeil kamen, desto mehr Lust bekamen wir auf die kommenden zwei Wochen im Inselparadies.

Die einzige kleine Sorge, die wir bei der Be- und Entladung des Bootes hatten, war, ob unsere sehr schweren Koffer ins Wasser fallen würden. Die kambodschanischen Jungs, die sich darum kümmerten, schienen allerdings stets auf Salat zu verzichten und somit Rapper „Kollegahs“ Fitness-Erkenntnissen entsprechend einen schrumpfenden Bizeps zu verhindern, da sie die Koffer mit einer beeindruckenden Leichtigkeit von Bord hievten. Mit unbeschadetem Sack und Pack machten wir uns also auf den Weg zu unserer Unterkunft, den „Happy Elephant Bungalows“, welche sich in unmittelbarer Nähe zum Hauptstrand und Boot-Ankunftsort „Koh Touch Beach“ befanden.

Noch am gleichen Abend allerdings packte uns diesmal, anders als bei den anderen Fahrten während der Reise und vielleicht auch aufgrund der Tatsache, dass wir beide endlich zusammen komplett gesund waren, ein kleiner Energieschub und Erlebnisdrang. Als wir nach einem wunderschönen Abendessen mit Blick aufs Meer und bereits zwei Cocktails pro Nase unseren ersten Nacht-Nackt-Badegang genossen, wollten wir danach ursprünglich ins Bett. Jedoch wurden wir beim Rückweg zu einer Feuer-Show eingeladen, weshalb wir kurze Zeit später noch etwas weiter den Strand hinunter liefen und zusammen mit ein paar anderen Reisenden Zeuge einer beeindruckenden und lustigen kleinen Form der „Pyronale“ wurden.

Nach einigen Drinks (die Bierpreise und ein paar verlockende Cocktail-Angebote waren einfach zu verführerisch in diesem Ambiente) waren Neele und Flynn dann allmählich dichter als ein U-Boot und hätten wahrscheinlich – hätte man ihnen ein Feuerzeug vor den Mund gehalten – auch selbst bei der Feuershow mitmachen können. Einer der Feuerkünstler, der auf uns wirkte, als hätte er einige Minuten zuvor einmal jede verbotene Droge der Welt zu sich genommen, überraschte Neele dann aus dem Nichts mit einer spontanen Runde „twerken“ auf Neeles Schoß, während er wild mit dem Feuer vor ihrem Gesicht fuchtelte. Wir krümmten uns vor Lachen. Es war ein äußerst spontaner, unerwarteter und lustiger Abend, der sich nach einigen weiteren Cocktails gegen vier Uhr morgens dem Ende neigte. Anschließend fielen wir nur noch wie zwei (betrunkene) Steine ins Bett.

Sichtlich viel Spaß bei der unterhaltsamen Feuershow nach einigen (hörbaren) Drinks

Die kommenden Tage auf der Insel bedeuteten – wenig überraschend – vor allem: ausschlafen und lecker frühstücken, meist „English Breakfast“ in unserem Lieblingsrestaurant „Coco“, welches von einer hochschwangeren Frau betrieben wurde, die von ihren Bier trinkenden Kollegen leider kaum unterstützt wurde und somit den Laden eigentlich allein schmeißen musste. Schnell avancierten wir bei ihr zu Stammkunden und genossen eigentlich mindestens eine Mahlzeit täglich bei ihr. Interessanterweise schien ein um die 50 Jahre alter dicker weißer Mann entweder ihr Mann oder eine bezahlte „Nanny“ zu sein. Er trug jedenfalls jeden Tag stundenlang ihr kleines Baby durchs Lokal. Und täglich wurde das Restaurant von einem neugierigen und hungrigen Affen besucht, der jedes Mal versuchte, das bereitgestellte Essen auf der Ausgabentheke zu klauen, woraufhin er vom Restaurant-Personal verjagt wurde.

In jeglicher Hinsicht also ein schönes und erlebnisreiches Restaurant. Nur komplett lecker war es leider nicht immer ganz. So auch am dritten Abend unseres Inselaufenthalts. Flynns Burger hatte die Konsistenz eines Autoreifens und schmeckte ungefähr so lecker wie eine Steuererklärung. Und Neeles Fisch schien ihr auch nicht ganz zu bekommen. Nach dem Essen klagte sie jedenfalls über akute Atemprobleme… Ein Problem, dessen Tragweite uns in diesem Augenblick noch nicht klar war, welches sie jedoch leider fortan für eine lange Zeit begleiten und für eine Menge Kopfzerbrechen sorgen sollte. Dazu aber im Laufe des Eintrages mehr.

Die Insel und ihre Strände waren wirklich traumhaft schön. Sie hat mehrere verteilte Buchten, zu welchen man teilweise zu Fuß laufen und teilweise mit Moped fahren kann. Das Wasser ist ungefähr so warm wie eine Badewanne nach 30 Minuten, die Mama einem als Kind eingelassen hat und in welche man ab und zu reingepinkelt hat. Ein wirkliche Erfrischung ist es also nicht. Eher eine Art überdimensionaler Pool in einer Therme. Und so salzig, dass Mc’Donalds damit glatt seine Fritten berieseln könnte. Aber wunderschön eben. Wir genossen die Tage am Meer und suchten uns jeweils ein schönes Plätzchen zum Entspannen. Tagsüber war aufgrund der Hitze kaum an eine große warme Mahlzeit zu denken. Aber die rieseigen und frischen Früchte-Boxen (Mango, Melone, Orange, Banane, Drachenfrucht und Papaya) von unserem Lieblingsstand waren eh tausendmal besser!

Zunächst genossen wir die Tage am Strand, trotz etwas körperlicher Schwächung und einiger schlafloser Nächte in unserem Bungalow. Dieses war neben uns nämlich aufgrund seiner sehr einfachen Zugänglichkeit wenig überraschend, allerdings auch wenig beruhigend, ein beliebter Ort bei der gesamten Tierwelt der Insel. Während die sehr zutrauliche Katze dabei noch ein gern gesehener Gast war, waren eine enorm große Spinne (an dieser Stelle ist zu sagen, dass Flynn mit „Ron Weasley“ aus Harry Potter nicht nur die Haarfarbe, sondern auch die Phobie für Spinnen gemein hat), lange Würmer in unseren zum Trocknen aufgehängten Handtüchern, mehrere Kakerlaken in unserer vergessenen Tüte mit Essensvorräten und eine durch unser Bungalow huschende große Ratte) aus unserer Sicht jetzt nicht wirklich willkommen für einen längeren Besuch bei uns. Darüber hinaus waren nahezu stündlich stattfindende Stromausfälle, die uns das Licht im nachts dann doch leicht gruseligen Bungalow nahmen, sowie fehlende Ventilatoren weitere Gründe, die uns immer mehr darüber nachdenken ließen, ob für uns privilegierte deutsche Stadtnasen, die in das Leben in den Tropen ungefähr so gut reinpassen wie Donald Trump ins weiße Haus, ein „normales Zimmer“ nicht vielleicht besser passen würde.

Am nächsten Abend wurde es mit Neeles Atmung leider immer noch nicht besser. Beim Abendessen bekam sie kaum das Essen herunter, weil Essen und dabei durch den Mund atmen leider ungefähr den Schwierigkeitsgrad hat wie mit 2,5 Promille im Tank und mit verbundenen Augen einen Zauberwürfel zu lösen. Daher gingen wir erstmal nach Hause und versuchten uns zu erholen. Da uns jedoch kurze Zeit später eins der furchteinflößendsten Gewitter unseres Lebens heimsuchte und somit das Gegenteil einer kurzen Ruhepause bescherte, beschlossen wir danach gemeinsam, zum nächsten Tag in ein normales Zimmer zu ziehen, in welchem man von einem derart nahen und krachenden Gewitter zumindest ein wenig geschützt ist.

Die Inspiration für ihren bis heute vor allem unter Dusche beliebten Hit „Durch den Monsun“ haben sich die Jungs von Toki Hotel ganz sicher auf Koh Rong geholt…

Als wir dann in unserem neuen Zimmer endlich mal nachts ein wenig unsere Augen schließen konnten, wollten wir uns am Tag darauf ein Motorrad leihen und zusammen die Insel und ihre schönen Strände erkunden. Die Tour war tatsächlich sehr kurzweilig und aufregend und bot neben wunderschönen Aussichten und einem großartigen Gefühl von Freiheit leider auch eins der täglichen Gewitter, weswegen wir es am Ende nur zu einem anderen Strand am anderen Ende der Insel schafften, bei welchem wir das Unwetter dann abwarten und am Ende wegen der mangelnden Zeit wieder den Rückweg antreten mussten. Ein Erlebnis war es trotzdem allemal. Mit teils abenteuerlichen Straßen, vor welchen uns unsere überaus freundliche und deutsch sprechende Rezeptionistin Sabine schon warnte, die aus Holland kommt und sich Koh Rong vor zehn Jahren zu ihrer Wahlheimat machte, obwohl sie eigentlich nur ein paar Monate dort Urlaub machen wollte.

Schneller als die Polizei von Kambodscha erlaubt? Ne. Quatsch. Hier fahren alle so!

Eine kleine unschöne Randnotiz. Tatsächlich hat die Insel neben ihrer unglaublichen Schönheit auch mit einem riesigen Müllproblem zu kämpfen. Schon unser Hauptstrand, an welchem die vom Festland angekommenden Fähren anlegen, war nicht wirklich suaber an vielen Stellen. Es gibt auch viele schöne Strände, die wir sehen konnten. Allerdings sind vor allem die Strände, die in Richtung der Küste liegen, teilweise unfassbar doll von Müll überschwemmt und machen den schönen Anblick und das paradiesische Aussehen der Insel kaputt. Vor allem bei der Mopedtour fiel uns das auf…

Neeles Atmung wurde, auch wenn sie ihr bestes tat, optimistisch zu bleiben und ihre Zeit zu genießen, leider konsequent von Abend zu Abend schlechter. Am letzten Abend unserer ersten von eigentlich geplanten zwei Wochen auf Koh Rong, zwang sie sogar dazu, beim Essen in einem unglaublich leckeren aufzustehen und wieder ins Bett zu gehen. Da ihr Zustand nicht nur für Neele selbst immer schlechter wurde und sie viel Nerven und Anstrengung kostete, sondern auch Flynn zunehmenden besorgter wurde, beschlossen wir, den Inselbesuch leider Gottes vorzeitig abzubrechen und mit dem Boot zurück zur Küstenstadt Sihanoukville zu fahren, da die medizinische Versorgung auf Koh Rong dann leider doch sehr zu wünschen übrig lässt. Bis auf zwei Pfleger gibt es auf der Insel nichts. Keinen Arzt. Kein Krankenhaus. In Anbetracht von Neeles immer stärker werdender und beunruhigender Atemnot war also eine Rückreise aufs Festland alternativlos.

Von da an folgte einer Zeit voller Krankenhausaufenthalte, Tests und Gespräche mit Ärzten, um herauszufinden, was Neele hat. Ist es nun eine Folge ihrer Corona-Infektion zu Beginn der Reise? Ist es ein frischer Infekt? Bakterien? Viren? Hat sie etwas falsches gegessen? Ist es etwas ernstes in ihrer Lunge? Es sollte wider Erwarten leider ein längeres Thema werden als gedacht und machte uns einen gehörigen Strich durch unsere Reisepläne. Sowohl in Sihanoukville als auch kurze Zeit später in Phnom Penh fanden wir keine Antwort auf Neeles Krankheitssymptome und vor allem ihre das Leben sehr erschwerende Atemnot, die sie die meiste Zeit ins Bett zwang und sogar dafür sorgte, dass sie teilweise nicht mehr sprechen konnte und stattdessen über Whatsapp mit Flynn kommunizieren musste. Statt neuer Orte, unvergesslicher Erlebnisse und tollen Erfahrungen hieß es also nun für unabsehbare Zeit: Füreinander da sein, vor allem Flynn für Neele. Abwarten und ausruhen. Wenig Anstrengung und wenig Belastung. Auf Besserung hoffen. Vor allem aber: Endlich einen helfenden Arzt mit Antworten finden, damit es Neele endlich bald besser gehen würde. Und außerdem: Geduldig bleiben und den Optimismus auf schönere Zeiten nicht verlieren. Nach Koh Rong können wir nach alledem hoffentlich irgendwann noch einmal wieder kommen und es dann richtig genießen. Einen wunderschönen und sehenswerten Eindruck machte die Insel nämlich trotz allem!