Phnom Penh

04.11. bis 07.11.

Nachdem wir uns etwas schweren Herzens aus Siem Reap verabschiedet hatten, ging es am Morgen des 04. November gemeinsam mit Janik und Paula mit dem Bus Richtung Landeshauptstadt – Phnom Penh. Diesmal waren wir Gott sei Dank gefühlt das erste Mal symptomfrei in unserem Transportmittel (Flugangst und Corona hatten wir mehr hinter uns gelassen als alle Länder der Welt Deutschland in puncto „verlässliches Internet“). Und dieses Mal hatten wir sogar unsere liebsten Reisebegleiter aus Berlin mit an Bord. Die Fahrt dauerte insgesamt sieben Stunden, mit einigen kleineren Pausen, bei welchen sich Neele natürlich mal wieder in eine kleine Katze verliebte (zum Glück ist sie bezüglich Menschen nicht so abwechslungs-verrückt bei der Liebe, puh, Glück gehabt Flynn).

Die Busfahrt war insgesamt tatsächlich weitaus angenehmer als unsere vorige bei der Einreise nach Kambodscha, auch weil der Bus an sich etwas komfortabler war. Nebenbei hörten Neele und Flynn gemeinsam das neue Album der Dresdner Rap-Gruppe „01099“, bei welchem uns aus irgendeinem Grund eine Stelle einen gewaltigen Lachkrampf bereitete. Tolles Album im Übrigen, hat uns sehr gut gefallen… Janik und Paula schauten währenddessen „Better Call Saul“, wir konnten uns alle nicht beklagen.

Trotzdem waren wir froh, dass wir nach sieben Stunden endlich in Phnom Penh ankamen. Solche langen Busfahrten zehren dann doch ganz schon doll an den Kräften. Phnom Penhs Skyline ist, wie viele andere asiatische Städte, geprägt von vielen Hochhäusern und war daher sehr beeindruckend bei der Einfahrt, wenngleich uns beiden dann doch die eher kleinen und weniger erdrückenden Städte wie Siem Reap deutlich besser gefallen…

Nachdem wir Janik und Paula mit dem Plan verabschiedeten, uns im Laufe des Abends nochmal auf einen Drink zu treffen, fuhren wir mit einem wieder mal randvoll beladenem Tuk Tuk zu unserer Unterkunft, bei welcher wir uns diesmal ein wenig mehr gegönnt hatten. Allerdings auch mit der Intention Ruhe, Komfort und vor allem auch verlässliches Internet zu haben, da für Flynn noch ein wichtiger Termin am 06. November anstand: Die Verteidigung seiner im September abgegeben BWL-Bachelorarbeit in Form einer mündlichen Online-Prüfung über „Zoom“. Unsere Unterkunft „M Residence“ schien dafür tatsächlich nicht der allerschlimmste Ort, den man sich aussuchen konnte…

Während das Gebäude von außen einen echt tollen und fast luxuriösen Eindruck machte, wurden wir drinnen dann leider ein wenig enttäuscht. Im ersten uns zugewiesenen Apartment tropfte die Klimaanlage direkt aufs Kopfkissen. Nachdem wir bei der (äußerst unfreundlichen) Rezeption um einen Wechsel gebeten hatten, fehlte dann im zweiten Zimmer sowohl der Nachttisch als auch der Garderobenständer. Und auch hier hätte uns die Aircondition gleichermaßen nachts ins Gesicht getropft. Also nochmal: Wechsel…

Im dritten Zimmer hat es uns dann aufgrund der konsequent sinkenden Laune (vor allem bei Flynn, dessen Stimmung nur noch knapp davon entfernt war, das Zimmer aus Trotz in Hangover-Teil-1-Manier zu hinterlassen) irgendwann auch gereicht. Somit haben wir es dann so genommen, wie es war. Nämlich auch hier mit tropfender Klimaanlage (was sich nach einiger Betriebszeit besserte) und einem bemerkenswert dreckigen Boden für so eine selbst ernannt schicke Unterkunft (Dosenclips, Zahnstocher, Unmengen von Haaren, Taschentücher uvm.)… Naja: Es sollte ja auch nur für drei Nächte sein… Und die Aussicht, die Skybar und der Pool auf dem Dach ließen uns ein wenig darüber hinweg sehen.

Nachdem wir unsere Sachen abgelegt und uns beide frisch gemacht hatten, kamen erfreulicherweise noch Janik und Paula zu Besuch in unsere Unterkunft und wir genehmigten uns im 36. Stock in der Skybar alle zusammen ein Getränk. Mit einer fantastischen Aussicht und leckeren Cocktails genossen wir zusammen den Abschied unserer netten Vierer-Runde. Ein schöner gemeinsamer Abschluss!

Nach der kleinen Rooftop-Cocktail-Party wollten wir ursprünglich noch alle zusammen den „deutschen Klassiker“ des Fußballs – Dortmund gegen Bayer – anschauen… Der Begriff „deutscher Klassiker“ kann aber mittlerweile eher als Satire verstanden werden. „Deutscher Klatschiker“ würde da schon viel besser passen. Paula und Janik entzogen sich aufgrund zunehmender Müdigkeit in weiser Voraussicht dem „Spektakel“. Kluge Entscheidung… Mit 4:0 rollten die arroganten Idioten aus dem Süden über die völlig desolaten und fast schon peinlichen Schwarz-Gelben… Da halfen nur reichlich Biere und einige Sambuca, um dieses furchtbare Scheiß-Spiel schnell wieder zu vergessen… Flynn dachte nicht selten während der quälend langen 90 Minuten daran, ob es nicht eventuell sinnvoller wäre, einfach Golf- oder Reitsportfan zu werden. Dieser BVB jedenfalls raubt einem mehr Nerven als ein Besuch bei einem Bürgeramt in Berlin (auf Kater)… Oh man!

Am nächsten Tag waren die Rollen klar verteilt. Neele gönnte sich einige schöne Stunden am Pool in der Sonne, Flynn bereitete ein Stockwerk tiefer in der Skybar die Präsentation seiner mündlichen Bachelor-Prüfung weiter vor. Die zuckersüße Neele versorgte und unterstützte ihn hierbei rund um die Uhr mit Snacks und aufmunternden Küssen. Und tatsächlich kam Flynn an seinem weit oben gelegenen Arbeitsplatz wunderbar voran und war nun bereit für die Prüfung am nächsten Tag.

Von der Stadt sahen wir – der Situation geschuldet – natürlich dementsprechend nicht wahnsinnig viel. Wir hielten uns eigentlich nur im Hotel auf. Außer abends, wo wir dann immer kleine Spaziergänge machten und uns was zum Abendessen organisierten. Am 06. November um 16 Uhr wurde es dann ernst…

Die Prüfung lief super! Die Verbindung zur in Berlin (10 Uhr Ortszeit) sitzenden Betreuerin und Studiengangsleiterin Anne König und der Gutachterin funktionierte einwandfrei. Nach 15 Minuten Präsentation und 30 Minuten anschließender Befragung war es endlich geschafft. Nachdem Flynn noch fünf Minuten wartete und zitterte als im T-Shirt bei -20 Grad, bekam er dann endlich das Ergebnis: Mit 1,3 bestanden. 5 Jahre hats gedauert… Die anfängliche Prokrastination und ein zweijähriger, zeitaufwändiger Job beim ZDF sorgten anfangs für „Verzögerungen im Betriebsablauf“ (Gruß an die Deutsche Bahn für diese wunderbare Ausrede für jede einzelne Verspätung). Nun endlich ist der Bums vorbei und der Weg frei für einen neuen Lebensabschnitt – mal sehen, wie der aussieht… Erst einmal wird kräftig gereist 🙂

Nachdem wir uns zur Feier des Tages jeweils zwei Cocktails einverleibten (das 2-für-1-Angebot war dann doch sehr verlockend), machten wir uns mit einem entsprechenden Schwips im Zimmer hübsch, denn Flynn hatte in einem schicken Restaurant um die Ecke als Überraschung für Neele und kleine Belohnung für Flynn einen Tisch reserviert.

An dieser Stelle nun eine kleine und peinliche Anekdote zum obigen Bild (für Fans des Podcasts „Gemischtes Hack“ folgt nun die Rubrik: Fail der Woche): Als Flynn einige Stunden vorher vor Ort den Tisch reservierte (Neele dachte, er würde irgendetwas in der Skybar organisieren) fragte er das Personal im Restaurant, ob sie den späteren Tisch für die beiden ein wenig romantisch herrichten könnten, da es ein besonderer Abend sei, weil er soeben seinen Abschluss geschafft habe – ob es also möglich sei, ein paar Kerzen oder Rosen hinzustellen… Nachdem beim Einfinden des Platzes nichts von einer Tischdeko zu sehen war, vergewisserte sich Flynn beim Personal, dass diese nicht vergessen worden sei. Das Personal erklärte ihm, dass diese später bei einem Dessert kommen würde, welches er nach dem Essen bestellen solle. Heraus kam dabei… naja: siehe Foto…. Nun saß dort also ein 26-jähriger Mann, der einen popeligen BWL-Bachelor geschafft hatte und sich zum Dank ein Dessert bestellt hatte, auf dem er sich selbst dazu gratuliert… Das ist aber mal sowas von das Äquivalent zu „sich selbst einmal ordentlich den Arsch lecken“. Von „Tischromantik für verliebtes Pärchen“ derweil keine Spur. Autsch! Was das Restaurant-Personal wohl denken musste…

Sei’s drum, es war trotz vermasselter Tischdeko ein wunderschönes, romantisches und leckeres Abendessen und ein gelungener Abschluss für unseren kurzen Aufenthalt in Phnom Penh. Am nächsten Morgen stand die Weiterreise zum nächsten Halt an: endlich die erste paradiesische Insel mit weißem Strand und türkisfarbenem Meer: Koh Rong.