Siem Reap

26.10. bis 04.11.

Unser erstes richtiges Ziel auf der Reise war dann „Siem Reap“ in Kambodscha. Wie bereits im vorherigen Blog-Eintrag erwähnt, war die Reise nach Siem Reap für Neele eher eine Tortur als eine schöne Busfahrt. Das Fieber stieg kontinuierlich und wir mühten uns somit mit Ach und Krach über die Grenze in „Poipet“, bei welcher wir mit unseren Pässen und dem Handgepäck den Bus verlassen, unser großes Gepäck in gutem Glauben im Bus zurücklassen und zu Fuß den Grenzübergang bestreiten mussten. Dieser zog sich dann aufgrund der Vielzahl der Menschen an der Grenze doch etwas in die Länge, zumal wir danach noch länger auf unseren Bus warten mussten als nachts im C-Bereich von Berlin nach einer durchzechten Nacht auf einem Rave, weil dieser sehr lang an der Grenze kontrolliert wurde. Alles in allem ging der Grenzübertritt jedoch reibungslos über die Bühne und wir waren endlich in Kambodscha.

Nach insgesamt acht Stunden Busfahrt kamen wir dann in Siem Reap an. Unser Eindruck, der trotz Fieber bei Neele und großer Erschöpfung auch bei Flynn etwas benebelt war, war fantastisch. Schöne Architektur, ein kleiner Fluss direkt durchs Zentrum fließend, unzählige Food-Stände und gut gelaunte Menschen, keine erdrückenden Hochhausfassaden und eine deutlich angenehmere Luft. Und spätestens bei der Ankunft in unserem Hotel merkten wir, wie wahnsinnig freundlich und hilfsbereit die Kambodschaner sind. Definitiv ein spürbarer Unterschied zu Bangkok. Während Flynn sich beim Check-In mit Informationen von einem breit grinsenden Rezeptionisten zutexten ließ, beobachtete die stark angeschlagene Neele das Ganze von einer Couch, da die Kraft sich nun ein für alle Mal dem Ende neigte. Danach wie bei der Ankunft in Bangkok: Einfach nur noch ins Bett gefallen…

Zu den ersten drei Tagen in Siem Reap lässt sich ähnlich wie in Bangkok aufgrund der Erkrankung und dementsprechenden Angewiesenheit aufs Bett nicht wahnsinnig viel berichten. Wir hatten eine tolle Unterkunft, wieder mal einen Pool, der jedoch eher etwas dreckig und mit Chlor vollgepumpt war (Flynns Hände glichen eher denen des klassischen alten weißen Mannes als denen eines 26-Jährigen) und probierten uns nach einer Woche „Fried Rice“ in Bangkok auch mal durch die kulinarischen Angebote aus dem westlichen Raum… Bolognese: sehr lecker, wenngleich auch sehr süß und minzig… Burger: führte zu längeren Sitzungen auf dem Klo, naja… Dann wohl doch lieber wieder die süd-ost-asiatische Küche. Flynn ging abends noch allein ein wenig „um den Block“, um die Beine etwas zu bewegen, da wir auch hier mit teils schlaflosen Nächten zu kämpfen hatten, weil auch das Bett leider sehr unbequem war.

Neele hat sich trotz Corona-Schwächung immer wieder zu kleineren Spaziergängen aufgerafft, durch welche uns Siem Reap direkt noch mehr gefallen hat. Wir waren shoppen auf dem nur fünf Minuten entfernten „Old Market“ (für Neele gab es zwei Röcke und einen farblich passenden Fächer, für Flynn ein kambodschanisches Hemd mit Elefanten und ein auf 4 Dollar heruntergehandeltes Nike-Shirt). Angenehm hierbei: Man kann in ganz Kambodscha neben der heimischen Währung, den „Riel“, bei der man dann doch immer wieder ins etwas längere Umrechnen kommt (1 Euro entsprechen circa 4400 Riel), auch überall in Dollar bezahlen. Auf dem Old Market gab es außerdem unzählige Food-Stände, bei welchem einer besser schmeckte als der andere. Döner und Currywurst wurden hier ungefähr so sehr vermisst wie der Regen-Winter in Deutschland und miesepetrige Grummel-Berliner in vollen Ringbahnen zur Rush-Hour.

Am dritten Abend gingen wir zur völlig überdrehten, vollen und lauten „Pub Street“, ein Touristen-Hotspot direkt hinter dem Old Market, wo sich Bar an Bar und Club an Club reiht. Trotz Corona hielt Neele es aus, mit Flynn noch das BVB-Spiel um 21:30 Uhr Ortszeit zu schauen, bei welchem Flynn versehentlich einen 1,5 Liter-Krug Bier bestellte und danach wenig überraschend erstmals seit gefühlten Ewigkeiten mal wieder einen kleinen Schwips hatte. Danach holten wir uns noch einen von vielen Banana-Pancakes mit Nutella (sehr lecker) und fielen ins Bett.

Tags drauf waren wir abends noch einmal shoppen, da wir auch diesmal eine furchtbare Nacht hinter uns hatten und einen langen Mittagsschlaf abhielten. Nach dem Old Market gingen wir in der Pub Street gemeinsam eine Pizza essen, die zwar nicht herausragend war, gepaart mit einem Caipirinha und einem Bierchen aber doch ganz gut schmeckte.

Leicht angetütert entschlossen wir uns auf dem Heimweg, das klassische Asien-Klischee in Form einer kleinen Mutprobe durchzuführen: Schlange, Spinne und Skorpion am Spieß. Müsste man unsere Gesichter während des Essens jeweils in einem Emoji zusammenfassen, würde das ungefähr so aussehen: Schlange: 🤔 (schmeckt gar nicht schlecht, fast ein bisschen wie Hühnchen); Skorpion: 😖 (besteht nur aus Haut, schwer zu kaufen und schmeckt, wie ein Gulli riecht); Spinne: 🤮 (eindeutig aus der Kategorie: ungenießbar… haarig, knorpelig und mit der Konsistenz eines Autoreifens… Fazit: baaaaah) Kleiner Kommentar von Neele an dieser Stelle: „FLYNN HAT DIE KOMPLETTE SPINNE UND DEN SKORPION GEGESSEN… DAS IST BAAAHHHHHHHHHHHHH!!!“. Danach ging es mit einem erneut gehörigen Grummel-Bauch ins Bett.

Am letzten Tag des Oktobers hatte Neele genügend Kraft gesammelt und wir entschlossen, uns gemeinsam den 3-Tage-Tempel-Pass zu kaufen (62 Dollar pro Person schon auch eine stolze Summe) und fuhren noch am gleichen Abend mit unserem für die kommenden Tage fest gebuchten Tuk-Tuk-Fahrer „Pha“ (den man super beim Namen nennen und ihn gleichzeitig zum zügigeren Fahren animieren kann, höhöhö…) zu unserem ersten Tempel („Phnom Bakheng“), bei dem wir jedoch erst kurz vor Schließung ankamen und somit nicht viel Zeit vor Ort hatten. Für den Genuss des wahnsinnig schönen Sonnenuntergangs hat es aber trotzdem gereicht.

Am 1. November stand die erste größere Tempel-Tour an und führte uns zur riesigen sogenannten Temple-City „Angkor Thom“.

Bei unserer ersten Tour haben wir zuerst die Tempel „Bayon“ und „Baphuon“ besichtigt.

Vor allem aber sahen wir in den Tempeln: Affen, so weit das Auge reicht. Hier hielten wir uns mit Abstand am längsten auf, denn: So etwas hatten wir beide noch nie gesehen und wir waren hin und weg von den kleinen süßen Tierchen, die teils scheu, teils sehr zutraulich und teils auch frech waren.

Wir konnten den unglaublich süßen Äffchen sogar sehr nahe kommen! (Siehe das Bild oben drüber, wo sich ein Affe an Flynns Bein klammerte, und die beiden Bilder unten)

Die Hitze und die pralle Sonne gepaart mit der immer noch nicht komplett wiedergewonnen Kraft nach Corona waren sehr anstrengend und sorgten dafür, dass unsere Shirts ungefähr so nass waren, als wären wir gerade eben aus dem Wasser gestiegen. Auf dem anschließenden Weg zu noch deutlich weiter entfernten Tempeln brauchten wir daher erstmal eine kleine Pause, bei der wir das mit Abstand beste Essen der bisherigen Reise serviert bekamen.

Auf der Tour fiel uns allerdings neben all den schönen Dingen und der Natur, die man aus dem Tuk Tuk bestaunen konnte, auch die teils sehr starke Armut der Einheimischen auf, die in heruntergekommen Hütten lebten und teilweise sehr abgemagert aussahen. Da kommt man dann schon ein wenig ins Nachdenken, warum man sich in unserem derart privilegierten Leben in Deutschland eigentlich so häufig über die kleinsten Probleme ärgert und aufregt, wo andere Menschen mit viel größeren Problemen zurecht kommen müssen und dabei trotzdem weniger meckern als wir… Auch bei unserer unglaublich leckeren Mittagspause bettelten mehrere Kinder bei uns um ein paar Dollar und wollten uns Schmuck verkaufen, damit sie von dem Geld zur Schule gehen können. Wie kann man da „nein“ sagen…?

Die weiteren Tempel danach („Banteay Srei“ und „Pre Rup“) waren natürlich auch sehr schön, wenngleich wir auch immer mehr reif fürs Bett waren nach dem anstrengenden Tag. Daher haben wir uns abends eigentlich nur noch Essen bei unserem Lieblings-Food-Stand geholt, am Pool gegessen und wollten schlafen gehen, da am nächsten Tag ein großer Ausflug mit Überraschungsgästen auf dem Programm stand…

Die immer noch angedockte Corona-Maus Neele zupfte sich jedoch zu Flynns Überraschung und Begeisterung in einem abendlichen Anflug von plötzlich auftretender Energie um 23:30 Uhr ein BVB-Trikot über und sagte nur: „Komm Flynnte, wir gehen jetzt dein BVB-Spiel gucken, yallah!“ Gesagt, getan: wir schauten das Spiel, welches dann auch gut ausging für schwarz-gelb mit Neele als wiederholter Glücksbringerin. Auch wenn man das Spiel in der Pub-Street wieder in einer „Flugzeug startet gerade die Turbinen während direkt daneben ein ACDC-Konzert stattfindet“-Lautstärke verfolgen musste. Danach hieß es dann aber auch wirklich: ab in die Falle!

Der nächste Tag brachte dann eine Tage zuvor geplante Tour zusammen mit Flynns ehemaligen Mitbewohner und Kumpel Janik und seiner Freundin Paula mit sich, die ebenfalls für eine längere Zeit in Süd-Ost-Asien unterwegs waren. Gemeinsam beschlossen wir, uns das Wahrzeichen Kambodschas, welches auch auf der Nationalflagge abgebildet und weltweit das größte religiöse Bauwerk ist, anzuschauen: „Angkor Wat“.

Der Tempel wurde im 12. Jahrhundert vom damaligen König Suryavarman II. erbaut und diente als hinduistischer Staatstempel, ehe die in Kambodscha hauptsächlich beheimatete Bevölkerungsgruppe der „Khmer“ Ende des 12. Jahrhunderts fast alle zum Buddhismus konvertierten und Angkor Wat somit auch ein buddhistischer Tempel wurde. Die Anlage ist circa 200 Hektar groß (an dieser Stelle der warum auch immer verbreitete Flächenvergleich mit Fußballfeldern: es sind 185 Fußballfelder)…

Es ist wirklich eine beeindruckende Anlage und wir kamen aus dem Staunen nicht raus. Zugegebenermaßen haben wir die Tempelanlage aber auch für zahlreiche lange Quassel-Einheiten genutzt. Schließlich hatten wir uns alle lange nicht gesehen und viel zu berichten von unseren jeweiligen Reisen…

Die vielen Äffchen mussten wir Janik und Paula natürlich auch einmal zeigen…

Auch hier unterbrachen wir nach einer saftigen Regenpause die Tempeltour mit einem gemeinsamen Mittagessen, um danach dann noch zu zwei weiteren Tempeln („Ta Keo“ und „Prasat Kravan“) zu fahren.

Mit dem nahenden Einbruch der Dunkelheit waren wir dann allerdings auch alle sehr k.o. von der Hitze und den vielen absolvierten Schritten, weswegen wir den Heimweg antraten und uns nach jeweiligen Power-Naps und einem sehr leckeren Abendessen nur noch kurz in Janiks und Paulas Unterkunft auf eine Runde Billard und ein Bierchen trafen.

Da wir leider erneut eine etwas komplizierte und schlafgestörte Nacht verkraften mussten, verabschiedeten wir uns von dem Plan, auch zu viert am Tag darauf zum „Tonle Sap“ zu fahren, dem größten See Süd-Ost-Asiens. Wir machten uns somit jeder für sich allein auf den Weg zu einem der fischreichsten Gewässer der Welt, wie immer belgeitet von unserem Tuk-Tuk-Fahrer Pha, der diesmal auch die Tour-Attraktion mit uns mitmachte, während er bei den Tempel-Besuchen vorher immer in seinem Tuk Tuk auf uns wartete. Wir wurden zu dritt auf ein Boot geführt und von einem der vielen dort wartenden Fahrer über den Tonle Sap geschippert.

Bei der Tour ging es anfangs vorbei an den bekannten „Floating Villages“, sprich schwimmenden Dörfern im Fluss, in welchen viele Menschen, vor allem Fischer und Fischerinnen, in sehr minimalistischer Infrastruktur beheimatet sind. Im Vorbeifahren konnten wir bereits die etwas mehr verbreitete Armut bei den hier lebenden Menschen erahnen, da die Lebensumstände hier selbsterklärend etwas komplizierter sind. Die Menschen hier vor Ort sind auf den saisonal bedingten Fischfang angewiesen und müssen sich ansonsten im wahrsten Sinne des Wortes über Wasser halten… Paula und Janik wurde auf ihrer Tour sogar berichtet, dass häufiger auch mal Kinder ins Wasser fallen und ertrinken würden. Spannend waren die schwimmenden Dörfer aber allemal. Hier gibt es alles: von Schulen über Restaurants bishin zu einem kleinen Krankenhaus.

Erster Halt war ein Boot, auf welchem wir eine „Krokodil-Farm“ sehen konnten. Unzählige Krokodile waren hier im Bauch des Bootes in einem Käfig gefangen gehalten und wurden lediglich regelmäßig gefüttert. Ein sehr spannender und einmaliger, wenngleich auch unschöner (weil tierquälender) Anblick bot sich uns. Pha erlaubte sich noch den kleinen Spaß, uns beide mit einer Krokodil-Attrappe von hinten zu erschrecken, wo uns beiden mal kurz das Herz in die Hose rutschte. Kleiner Spaßvogel 😉

Nach einiger Zeit mündete der Fluss in den großen Tonle Sap See. Das Gewässer hat eine sehr spannende und einzigartige Besonderheit inne, da der Fluss als einziger auf der Welt je nach Jahreszeit seine Fließrichtung ändert. Während der im Juni beginnenden und wahnsinnig regenreichen Monsunzeit füllt sich der „Mekong“, in welchen der Tonle Sap in Phnom Penh sonst eigentlich mündet, immer mehr mit Wasser (viermal so viel wie voher). Dadurch wechselt der Tonle Sap seine Richtung und fließt von da an flussaufwärts Richtung großer Tonle Sap See, der fortan knapp viermal so groß und für die Vegetation Kambodschas essenziell ist. Fisch und Reis sind die Hauptnahrung der Kambodschaner und Fang bzw. Anbau an die Saison des Tonle Sap gekoppelt. Am Abend der Tonle-Sap-Tour wurden wir dann noch Zeuge eines unglaublich schönen und romantischen Sonnenuntergangs.

Die Tour auf dem Tonle Sap stellte gleichzeitig den Abschluss unserer (abgesehen von der anfänglichen Corona-Kacke) wundervollen Zeit in Siem Reap dar. Im Ort genossen Neele und Ich nochmal ein letztes fantastisches Abendessen direkt neben unserem Hotel in einem sehr leckeren Restaurant, wo es dann auch mal wieder eine kulinarische Blaupause von Reisgerichten gab (Burger und Shrimps). Neele legte sich ziemlich schnell danach schlafen, Flynn lief noch ein letztes Mal durch den wirklich lieb gewonnenen und sympathischen Ort. Am nächsten Tag sollte es dann gemeinsam mit Janik und Paula per Bus weiter in die Hauptstadt Kambodschas „Phnom Penh“ gehen.

Unser Fazit zu Siem Reap: Eine wirklich schöne Stadt, in welcher man wahnsinnig viel erleben und sehen kann. Einerseits sehr voll, andererseits nicht so anstrengend wie die riesigen Metropolen Bangkok oder Phnom Penh, da sich die Menschen eher über die Fläche verteilen, statt auf riesige Wolkenkratzer. Der Geruch war deutlich angenehmer als in Bangkok, es floss ein süßer kleiner Fluss durchs Zentrum und es war auch nicht so schlimm „voll-gemüllt“ wie anderswo. Wenn man Halligalli, laute Musik und Alkohol „en masse“ haben will, sagt die Pub Street mit offenen Armen „Willkommen“. Es geht aber auch ruhig. Dieser Mix ist sehr angenehm. Die Tempelanlagen allein sind unglaublich beeindruckend und die Reise hierhin wert, der Tonle Sap ist ebenfalls wunderschön. Am Ende hatten wir beide das Gefühl, dass wir gerne ruhig noch ein paar Tage länger geblieben wären – wer weiß, vielleicht kommen wir irgendwann mal wieder…